Was ist .… ein Pocket Park?

Was ist …
ein Pocket Park?

Stadt­PlanWas ist … ?

Eigent­lich kann er schon auf eine etwas längere Geschichte zurück­bli­cken, erhält jetzt aber eine zuneh­mend wichtige Rolle bei der Gestal­tung von Stadt­räumen: der Pocket Park, gelegent­lich auch Vest-Pocket Park genannt. In diesem Begriff, dem „Park für die (Westen-)Tasche“, liegt auch schon entste­hungs­ge­schicht­lich ein wichtiges Merkmal in Abgren­zung zu klassi­schen Parks: seine gerin­gere Größe. Tote Winkel und kleinere Brach­flä­chen sind sein Nährboden, aber auch bei der Anlage von neuen Quartiers­ent­wick­lungen findet er Berück­sich­ti­gung und neue Aufga­ben­felder.  

© public domain/Jim.henderson/wikipedia

Payley Park in New York City - Oase zwischen Häuserfassaden

Beschäf­tigt man sich mit der Herkunft des Pocket Park ist eine häufig genannte Referenz der in den 60er Jahren in New York entstan­dene Payley Park. Die Landschafts­ar­chi­tekten Zion Breen Richardson schufen dort auf einer nur 390 qm großen, zwischen zwei Wohnhäu­sern gelegenen Freifläche einen Ort für Passanten und Anwohner, der als Ruhezone im großstäd­ti­schen Treiben fungiert. An den Seiten­wänden ranken dort Efeus, an der hinteren Wand erzeugt ein die gesamte Fläche überzie­hender Wasser­fall beruhi­gendes Wasser­rau­schen. Der Platz selbst ist mit Tischen und Stühlen unter 17 Gledit­schien – zierli­chen, aber robusten Zierbäumen, die im Sommer Schatten spenden – gestaltet. Aufge­stellte Pflanz­kübel werden saisonal bepflanzt. Das Ganze zeigt sich als einla­dende Stadt­oase, die im Besitz einer Stiftung ist und von dieser auch unter­halten wird. Payley Park wird als ein Meilen­stein in der Geschichte der Pocket Parks bezeichnet und als Initi­al­zün­dung für die darauf­fol­gende Zeit der Entste­hung zahlrei­cher weiterer Pocket Parks in den USA angesehen.  

Angetrieben durch die Auswir­kungen der Klima­krise und einer zuneh­menden Nachver­dich­tung in den Städten erhalten daher auch kleine (versie­gelte) Rand- oder Brach­flä­chen, Baulü­cken und anderes Flächen­po­ten­zial bei der Stadt­pla­nung immer stärkere Aufmerk­sam­keit. Pocket Parks lassen sich auch als Produkte einer Art Dezen­tra­li­sie­rungs­stra­tegie werten. An die Stelle einer großen Parkan­lage nach klassi­schem Bild tritt in verdich­teten Stadt­räumen eine Vielzahl kleiner Pocket Parks. In ihrer Größe und Gestal­tung sehr unter­schied­lich folgen sie alle dem Gedanken einer Verbes­se­rung der Qualität der Umwelt, sei es durch die positive Beein­flus­sung des Mikro­klimas, der Förde­rung von Biodi­ver­sität oder der Stärkung nachbar­schaft­li­cher Bindungen. Ob es um die Integra­tion von Ruhezonen mit Bänken und nachhal­tigem Stadt­grün, von Bewegungs­an­ge­boten oder Spiel­ge­räten oder Flächen für kultu­relle Darbie­tungen geht - die Konzepte sind vielfältig. Städte wie z.B. Athen oder Krakau treiben das Thema der Pocket Parks derzeit sehr voran, oftmals mit finan­zi­eller Unter­stüt­zung von Unter­nehmen. In Krakau sollen bis 2030 insge­samt 70 Pocket Parks entstanden sein, weit über 30 gibt es bereits, der erste entstand 2016.

© Boguslaw Swierzowski, Stadtamt Krakau

Pocket Park in Krakau - Aufent­halts­raum im Grünen zwischen Häuserfassaden

© Boguslaw Swierzowski, Stadtamt Krakau

Pocket Park in Krakau - Aufent­halts­raum mit Spiel­an­ge­boten für Kinder in grünem Rahmen

Pocket Parks sind wertvolle urbane Bausteine in einem Netz aus Grün-, Ruhe- und Begeg­nungs­zonen, das sich durch die Stadt zieht. Auch in Deutsch­land gibt es kaum eine Stadt, die dieses Thema noch nicht für sich entdeckt hat und versucht, ihre diesbe­züg­li­chen Ressourcen zu mobili­sieren. Auch kommt es hierbei zu Gemein­schafts­pro­jekten von Unter­nehmen und städti­schen Behörden, wie das Beispiel der Sparkasse Jena-Saale-Holzhafen zeigt. Auf einer kleinen Brach­fläche neben dem histo­ri­schen Gebäude der Sparkasse in der dicht bebauten Jenaer Altstadt sollte zunächst ein Gebäude als Lücken­schluss entstehen. Die Stadt Jena und die Sparkasse erkannten aber in gemein­samen Gesprä­chen, dass der Wert dieser Fläche in Form eines grünen, klima­tisch angenehmen Aufent­halts­orts für die Bevöl­ke­rung beträcht­lich sein würde. In enger Abstim­mung mit Behörden und Fachpla­nern ließ die Sparkasse als Eigen­tü­merin und Bauherrin die Fläche daher zu einem Pocket Park umgestalten und stellte sie der Öffent­lich­keit zur Verfü­gung.   

© impuls°Landschaftsarchitektur

Von der Baulücke zum Pocket Park - Altstadt von Jena

In unserer Quartiers­ent­wick­lung Löwitz Quartier in Leipzig, die sich in der Bauphase befindet, sind gleich mehrere Pocket Parks vorge­sehen. Sie werden sich im Privat­ei­gentum der jewei­ligen Baufelder befinden, aber für die Öffent­lich­keit zugäng­lich sein. Die etwa 1.000 Quadrat­meter großen Pocket Parks zahlen auf das Mikro­klima im Quartier ein und dienen ihren Bewoh­nern und Bewoh­ne­rinnen als Aufent­halts- und Begeg­nungs­flä­chen. Darüber hinaus kommt ihnen hier beim Thema Regen­was­ser­ma­nage­ment eine wichtige Rolle zu. Ausge­rüstet mit Versi­cke­rungs­beeten und Reten­ti­ons­flä­chen durch teils tiefer­lie­gende Platz­flä­chen ermög­li­chen sie ein langsames Versi­ckern des Wassers bei Stark­re­gen­er­eig­nissen. (S. hierzu auch den Beitrag Schwamm­stadt) 

© bgmr Landschaftsarchitekten

Pocket Park im Löwitz Quartier in Leipzig

© bgmr Landschaftsarchitekten

Bei Stark­regen funktio­niert der etwas tiefer gelegte Pocket Park als Retensionsbecken

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