Was ist …
ein Pocket Park?
Eigentlich kann er schon auf eine etwas längere Geschichte zurückblicken, erhält jetzt aber eine zunehmend wichtige Rolle bei der Gestaltung von Stadträumen: der Pocket Park, gelegentlich auch Vest-Pocket Park genannt. In diesem Begriff, dem „Park für die (Westen-)Tasche“, liegt auch schon entstehungsgeschichtlich ein wichtiges Merkmal in Abgrenzung zu klassischen Parks: seine geringere Größe. Tote Winkel und kleinere Brachflächen sind sein Nährboden, aber auch bei der Anlage von neuen Quartiersentwicklungen findet er Berücksichtigung und neue Aufgabenfelder.

Payley Park in New York City - Oase zwischen Häuserfassaden
Beschäftigt man sich mit der Herkunft des Pocket Park ist eine häufig genannte Referenz der in den 60er Jahren in New York entstandene Payley Park. Die Landschaftsarchitekten Zion Breen Richardson schufen dort auf einer nur 390 qm großen, zwischen zwei Wohnhäusern gelegenen Freifläche einen Ort für Passanten und Anwohner, der als Ruhezone im großstädtischen Treiben fungiert. An den Seitenwänden ranken dort Efeus, an der hinteren Wand erzeugt ein die gesamte Fläche überziehender Wasserfall beruhigendes Wasserrauschen. Der Platz selbst ist mit Tischen und Stühlen unter 17 Gleditschien – zierlichen, aber robusten Zierbäumen, die im Sommer Schatten spenden – gestaltet. Aufgestellte Pflanzkübel werden saisonal bepflanzt. Das Ganze zeigt sich als einladende Stadtoase, die im Besitz einer Stiftung ist und von dieser auch unterhalten wird. Payley Park wird als ein Meilenstein in der Geschichte der Pocket Parks bezeichnet und als Initialzündung für die darauffolgende Zeit der Entstehung zahlreicher weiterer Pocket Parks in den USA angesehen.
Angetrieben durch die Auswirkungen der Klimakrise und einer zunehmenden Nachverdichtung in den Städten erhalten daher auch kleine (versiegelte) Rand- oder Brachflächen, Baulücken und anderes Flächenpotenzial bei der Stadtplanung immer stärkere Aufmerksamkeit. Pocket Parks lassen sich auch als Produkte einer Art Dezentralisierungsstrategie werten. An die Stelle einer großen Parkanlage nach klassischem Bild tritt in verdichteten Stadträumen eine Vielzahl kleiner Pocket Parks. In ihrer Größe und Gestaltung sehr unterschiedlich folgen sie alle dem Gedanken einer Verbesserung der Qualität der Umwelt, sei es durch die positive Beeinflussung des Mikroklimas, der Förderung von Biodiversität oder der Stärkung nachbarschaftlicher Bindungen. Ob es um die Integration von Ruhezonen mit Bänken und nachhaltigem Stadtgrün, von Bewegungsangeboten oder Spielgeräten oder Flächen für kulturelle Darbietungen geht - die Konzepte sind vielfältig. Städte wie z.B. Athen oder Krakau treiben das Thema der Pocket Parks derzeit sehr voran, oftmals mit finanzieller Unterstützung von Unternehmen. In Krakau sollen bis 2030 insgesamt 70 Pocket Parks entstanden sein, weit über 30 gibt es bereits, der erste entstand 2016.

Pocket Park in Krakau - Aufenthaltsraum im Grünen zwischen Häuserfassaden

Pocket Park in Krakau - Aufenthaltsraum mit Spielangeboten für Kinder in grünem Rahmen
Pocket Parks sind wertvolle urbane Bausteine in einem Netz aus Grün-, Ruhe- und Begegnungszonen, das sich durch die Stadt zieht. Auch in Deutschland gibt es kaum eine Stadt, die dieses Thema noch nicht für sich entdeckt hat und versucht, ihre diesbezüglichen Ressourcen zu mobilisieren. Auch kommt es hierbei zu Gemeinschaftsprojekten von Unternehmen und städtischen Behörden, wie das Beispiel der Sparkasse Jena-Saale-Holzhafen zeigt. Auf einer kleinen Brachfläche neben dem historischen Gebäude der Sparkasse in der dicht bebauten Jenaer Altstadt sollte zunächst ein Gebäude als Lückenschluss entstehen. Die Stadt Jena und die Sparkasse erkannten aber in gemeinsamen Gesprächen, dass der Wert dieser Fläche in Form eines grünen, klimatisch angenehmen Aufenthaltsorts für die Bevölkerung beträchtlich sein würde. In enger Abstimmung mit Behörden und Fachplanern ließ die Sparkasse als Eigentümerin und Bauherrin die Fläche daher zu einem Pocket Park umgestalten und stellte sie der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Von der Baulücke zum Pocket Park - Altstadt von Jena
In unserer Quartiersentwicklung Löwitz Quartier in Leipzig, die sich in der Bauphase befindet, sind gleich mehrere Pocket Parks vorgesehen. Sie werden sich im Privateigentum der jeweiligen Baufelder befinden, aber für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Die etwa 1.000 Quadratmeter großen Pocket Parks zahlen auf das Mikroklima im Quartier ein und dienen ihren Bewohnern und Bewohnerinnen als Aufenthalts- und Begegnungsflächen. Darüber hinaus kommt ihnen hier beim Thema Regenwassermanagement eine wichtige Rolle zu. Ausgerüstet mit Versickerungsbeeten und Retentionsflächen durch teils tieferliegende Platzflächen ermöglichen sie ein langsames Versickern des Wassers bei Starkregenereignissen. (S. hierzu auch den Beitrag Schwammstadt)

Pocket Park im Löwitz Quartier in Leipzig

Bei Starkregen funktioniert der etwas tiefer gelegte Pocket Park als Retensionsbecken